Hej und hallå aus Uppsala -Erasmus macht´s möglich

 

Vom 08. bis 14. Mai 2022 flog das Erasmus-Trio um Martina Erben, Esther Schmidt und Yeliz Taskoparan-Meyer zum Job-Shadowing nach Schweden.

Nach der Landung in Stockholm ging es direkt nach Uppsala im Südosten von Schweden. Ziele der Reise waren das Kennenlernen des schwedischen Schulsystems durch Hospitationen, der schwedischen Kultur und der Unterschiede zu Deutschland.

Unsere schwedischen Partner Rolf-Jonny Dale und Helena Lundell vom Yerkesgymnasium Jälla, einer Art Berufsfachschule in Uppsala, erwarteten uns bereits sehnsüchtig. Es war ein freudiges Wiedersehen, nach ihrem 3-tägigen Kurzbesuch im März am Schulverbund.

Die Schule befindet sich idyllisch gelegen inmitten eines geschützten Naturreservats, das von Wanderwegen durchzogen ist und auch Kräuterlehrpfade beinhaltet, die regelmäßig in den Unterricht einbezogen werden. Das naturbelassene Gelände ermöglicht den Schülerinnen und Lehrern eine Vielfalt an Erholungs- und Pausenmöglichkeiten.

Die Schultage begannen für uns mit einem reichhaltigen schwedischen Frühstück mit traditioneller „Komjölk“ (Kuhmilch) in der schuleigenen Mensa. Hier erfuhren wir, dass sowohl Frühstück und Mittagessen für schwedische Schüler vom Staat finanziert werden.

 

Zunächst lernten wir die Schulleiterin Susanne Calland kennen der wir typische schwäbische Gastgeschenke übergaben. Danach tauschten wir uns ausführlich über das Bildungssystem in Schweden aus. Das schwedische Schulsystem ist durchzogen von wöchentlichen Konferenzen, die teils fachgebunden sind und in unterschiedlicher Personalkonstellation stattfinden. Zudem finden fünfmal jährlich Konferenzen mit dem gesamten Kollegium statt, um den Entwicklungsstand aller SchülerInnen zu beratschlagen.

Die Vormittage waren gefüllt mit Hospitationen in unterschiedlichen Regelklassen, insbesondere den Schulfächern Englisch und Geschichte. Dort hielten Frau Taskoparan-Meyer und Frau Schmidt auch eine Powerpoint-Präsentation über die Entstehung des 2. Weltkrieges aus deutscher Perspektive, den SiH sowie das deutsche Schulsystem auf Englisch. Die Klassen wurden anschließend für ihre interessierte Mitarbeit von uns mit deutschen Haribo-Gummibärchen entlohnt.

Zudem konnten wir bei einer Referendarin hospitieren und uns ein Bild über die Lehrerausbildung vor Ort machen. Über diese Ausbildung erfuhren wir, dass es in Schweden kein Referendariat gibt, sondern die Lehramtsanwärter insgesamt drei verpflichtende Praktika von maximal acht Wochen an Schulen ableisten müssen.

Besonders auffallend war, dass es in Schweden an jeder Schule eigene Klassen für Schüler mit besonderem Förderbedarf gibt, die von einem pädagogischen Team betreut und unterstützt werden. Der schwedische Staat verlangt von jeder Schule die Installierung von multiprofessionellen Teams, die in Zusammenarbeit alle Schüler unterstützen und betreuen. Zu diesen Teams gehören ein Schulpsychologe, eine Krankenschwester, ein Sonderpädagoge, ein Sozialarbeiter und eine Sozialpädagogin, die sich wöchentlich mit der Schulleitung treffen, austauschen und individuelle Problemlösestrategien für betroffene SchülerInnen entwickeln. Die Klassenstärken variieren sehr stark, umfassen jedoch selten mehr als 20 Schüler. Zudem werden separate Klassen mit SchülerInnen gebildet, die unterschiedliche Defizite haben und maximal eine Klassenstärke von zwölf Lernenden haben dürfen. Diese Klassen werden wiederum von Sonderpädagogen unterstützt, die überforderte SchülerInnen herausnehmen und im Einzelunterricht betreuen.

Nach den Unterrichtshospitationen erkundeten wir das sehr weitläufige Areal der Schule mit all ihren Ausbildungsstandorten für die Bereiche der Landwirtschaft, den Standorten für Hunde- und Pferdeausbildungsberufe, den eigenen Nutzfahrzeugfuhrpark für die Ausbildung der Lastkraftwagenfahrer, Forstwirtschaft und Straßenbau. Weiterhin inspizierten wir die Werkstätten der Automechaniker, unterhielten uns mit dem Fachlehrer, den SchülerInnen und erfuhren, dass es einen regelmäßigen Schüleraustausch mit den Handwerkskammern in Oldenburg, Gera und Kaiserslautern gibt.

Aktuell wird das Schulgelände um einen weiteren Ausbildungsstandort für die Lastkraftwagenfahrer erweitert, welches wir bei einer begleiteten Umgehung erkunden durften.

An einem Tag besuchten wir die Schule Gottsundaskolan in der weiteren Umgebung von Uppsala. Diese Schule war für uns ebenfalls von großem Interesse. Sie liegt in einem sozialen Brennpunkt und hat zahlreiche Schülerinnen aus anderen Ländern sowie Krisen- und Kriegsgebieten. Dies bedeutet einen besonderen Förderbedarf, welchem ebenfalls mit ausreichend Fachpersonal entgegnet wird. In einer anschaulichen Präsentation gab uns der stellvertretende Schulleiter zahlreiche Informationen über das Schulsystem und die Organisation vor Ort.

Es war sehr interessant zu sehen, mit welchen Unterstützungsangeboten die Schule dem besonderen Bedarf gerecht wird. Auch hier gibt es einen regelmäßigen Austausch im multiprofessionellen Team, sodass jeder einzelne SchülerIn individuell gefördert werden kann. Auch wir hatten die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Fachkräften in den Austausch zu gehen und so die verschiedenen Herangehensweisen kennenzulernen.

Danach konnten wir die Schule ausführlich besichtigen. Wir konnten in einer VKL Klasse hospitieren, im Unterricht einer Regelklasse und im Freizeitbereich Angebote besuchen. Beeindruckend war, dass es in Schweden Vorbereitungsklassen gibt, die maximal 10 SchülerInnen haben dürfen und Lernende mit Migrationshintergrund die Möglichkeit haben, Deutsch als Zweitsprache zu belegen und in diesem Fach auch ihren anerkannten Abschluss zu machen, um der Chancengerechtigkeit im Bereich der Bildung gerecht zu werden.

Zusätzlich wird den Heranwachsenden die Möglichkeit gegeben, einmal wöchentlich für zwei Stunden den muttersprachlichen Unterricht zu besuchen. Dabei werden die Heranwachsenden in kleinen Gruppen zusammengefasst und erhalten Unterricht in ihrer Muttersprache, um diese nicht zu verlernen. Hierfür legt die Schulleitung darauf wert, Lehrkräfte einzustellen, die bilingual sind und somit auch diesen Unterricht anbieten können.

Natürlich durfte auch die kulturelle Komponente bei unserem Schwedenbesuch nicht zu kurz kommen. Im Rahmen des kulturellen Austausches besichtigten wir die Hauptstadt Stockholm mit dem weltberühmten ABBA-Museum sowie eine Kupfer-Mine in der Stadt Fulna, die nördlich von Upssala gelegen ist. Die Mine gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und prägt das Bild der Region mit den typischen Dala Pferden. Vor vielen Jahren machten Holzarbeiter aus der schwedischen Provinz Dalarna eine Pause von der Holzarbeit und betrachteten die Pferde, als ihnen plötzlich die Idee kam, Holzpferde zu schnitzen und diese ihren Kindern mitzubringen. Später, als die Kinder erwachsen waren und keine Verwendung mehr für die Pferde hatten, brachten sie sie nach „Gamla Stan“ (Altstadt) in Stockholm und verkauften sie an schwedische Touristen.

 

Zudem lernten wir die religiöse und geschichtliche Seite von Uppsala bei einer Stadtführung durch die historische Innenstadt (Besichtigung der Markthalle und des Domes) und „Gamla Uppsala“ (Altstadt: Hügelgräber der alten Schwedenkönige) kennen.

Auch weitere gemeinsame Abendessen mit den schwedischen KollegInnen und der Schulleiterin bargen fruchtbare Gespräche über das Land, die Leute sowie das Schulsystem, sodass unser Erasmus Team viele neue Ideen bekam, insbesondere die Vorbereitungsklassen innovativer zu gestalten.

Wir lernten die Schweden als freundliches und entspanntes Volk kennen, deren Charaktereigenschaften sich im privaten und im Unterrichtsalltag widerspiegeln. Durch den regen Austausch und die gegenseitigen Besuche, die im Oktober dieses Jahres in Deutschland fortgeführt werden, wollen wir einen Beitrag zur Umsetzung der sozialen Gerechtigkeit und Inklusion leisten.  Durch die Förderung von Innovation, Kooperation und Reform kann die Zusammenarbeit sowie die Mobilität im Austausch mit Partnerländern vorangetrieben werden.

Das Programm Erasmus + hat für uns persönlich dazu beigetragen, auch internationale Freundschaften zu schließen und wir sind dankbar für diese Möglichkeit!

 

Yeliz Taskoparan-Meyer, Martina Erben und Esther Schmidt